Schädlingsbekämpfungsanlagen

Das Kunsthistorische Museum (KHM) hat für seine umfangreichen Sammlungen ein neues Zentraldepot am Wiener Stadtrand errichtet. In diesem wird der Großteil der vier Millionen Objekte umfassenden Kunstsammlung auf einer Fläche von 12.000 m² gelagert.

Im Zuge des Neubaus in Himberg bei Wien, wurde von der Fa. R+S Group eine Schädlingsbekämpfungsanlage für Kunstgegenstände installiert.

Um die eingelagerten Exponate schädlingsfrei zu halten, müssen sämtliche Kunstgegenstände vor der Einlagerung behandelt werden.
Mit chemischen Mitteln kann ein Befall zwar sicher abgetötet werden, aber es können an Kunstgegenständen Unverträglichkeiten mit Farben und Fassungen auftreten.

Empfindliche Gegenstände wie Bilder, Skulpturen, Möbel etc. können wirksam mit einer Inertbegasung behandelt werden, zum Beispiel mit Stickstoff.
Stickstoff, ein Geruch-, Geschmack- und Farbloses Gas, ist zu ca. 80% in unserer Atemluft vorhanden und nicht brennbar. Stickstoff verhält sich zu den Stoffen der Objekte (z.B. Pigmente, Bindemittel oder Metalle) völlig neutral, es finden aufgrund der Reaktionsarmut keine chemischen Reaktionen statt.
Die holzzerstörenden Insekten und deren Larven werden dank der Verdrängung des Sauerstoffs durch den Stickstoff in der Atmosphäre der Begasungskammer sowie im Objekt selbst regelrecht erstickt.
Hierzu muss das Gas in das zu behandelnde Objekt diffundieren, um den vorhandenen und an die Oberflächen angelagerten Sauerstoff nahezu vollständig zu verdrängen. Erreicht wird dies durch eine Spülung der Kammer mit reinem Stickstoff. Wirksam wird diese Maßnahme nur durch einen Restsauerstoffgehalt von unter 1 Vol.-%. Dies wird durch eine spezielle gasdichte Kammer erreicht.

Um die Behandlung in einem angemessenen Zeitraum durchzuführen, ist es nötig, die Umgebungstemperatur zu erhöhen. Gleichzeitig muss die Objektfeuchte entsprechend des Holzfeuchtediagramms (Keylwerth-Diagramm) gehalten werden. Eine Temperierung und Befeuchtung der Atmosphäre ist also zwingend erforderlich, um Schäden an den Objekten zu vermeiden und zudem eine schnelle Abtötung der Insekten zu erreichen. Eine spezielle Meß- und Regeltechnik gewährleistet die Überwachung der geforderten Werte für Temperatur, relative Luftfeuchte und Gaskonzentration in der Atmosphäre.

Die Behandlungskammer selbst wurde aus selbsttragenden, dampf- und kondenswasserdichten Sandwichpaneelen hergestellt. Dies garantiert eine Gasdichtigkeit unter Einhaltung eines max. Volumenstromverlustes, von 5% in 24h.
Die Behandlungskammer ist mit einer gasdichten Schiebetüre inkl. Sichtfenster mit Notöffnungsfunktion verschlossen.
In der Kammer ist eine lüftungs- und klimatechnische Behandlungsanlage mit Ventilatoreinheit, Filtereinheit, Lufterhitzer und Befeuchtungsstation eingebaut.
Diese sorgt dafür, dass während des gesamten Behandlungszyklus die Raumkondition in der ganzen Kammer gleich bleibt.
Zur Stickstoffgewinnung aus der Raumluft kommt ein Stickstoffgenerator zum Einsatz. Dieser arbeitet im sogenannten Druckwechselverfahren (PSA). Die Kapazität des Generators beträgt 4 m³/h Stickstoff mit einem Reinheitsgrad von 99,9 %.
Versorgt wird der Stickstoffgenerator durch eine Druckluftanlage mit Schraubenverdichter. Diese liefert die erforderliche konditionierte Druckluft, welche dem Generator über eine spezielle Filterstation zugeführt wird.
Der gewonnene Stickstoff wird über ein Magnetventil in die Behandlungskammer eingeleitet. Gleichzeitig wird die überschüssige Luft in der Kammer über einen Ventilator abgesaugt.

Das Herz und Hirn der Anlage bildet die Steuerung.
Um die komplexen Prozesse bewältigen zu können, wurde eine SPS Steuerung mit Visualisierung (am Touch-Screen-Display) eingebaut.
Die mikroprozessorgesteuerte Einheit übernimmt alle für den Behandlungsprozess erforderlichen Regel- und Steuerungsaufgaben sowie die Überwachung und Datenerfassung.

Anstehenden Stör- und Alarmmeldungen werden über SMS und Email abgesetzt.
Bei der Programmierung der Steuerung wurde ein besonderes Augenmerk auf die einfache Bedienung der Anlage gelegt. So ist es möglich, dass durch Eingabe von nur 5 Parametern der gesamte Behandlungszyklus definiert ist.
Weiters sind sämtliche Abläufe auf dem 12 Zoll Display visualisiert, inklusive Trend- und Störaufzeichnung.

Da austretender Stickstoff den Sauerstoff verdrängt, kann dies zu tödlichen Konzentrationen führen.
Um bei eventuell auftretenden Undichtheiten eine Gefährdung auszuschließen, wurden in den betroffenen Räumen stationäre Gaswarnanlagen installiert.
Diese bewirken, dass bei Unterschreiten eines bestimmten Sauerstoffgehaltes ein Alarm abgegeben und gleichzeitig eine Zwangsbelüftung der Räume eingeleitet wird.

Die Fa. R+S Group lieferte eine schlüsselfertige Anlage. Dazu gehören alle Komponenten wie die Behandlungskammer, die gesamte maschinelle und elektrotechnische Ausrüstung und natürlich die Steuerungstechnik mit der Software.

Eine zweite Anlage wurde auch für das „Zentraldepot Neu“ der Museen der Stadt Wien geliefert.